Das BIER-Modell

In der Personalentwicklung geht es meist darum, glücklicher und zufriedener zu werden. Das ist leider nicht immer ganz einfach, weil es doch viele Dinge gibt, über die man sich ärgert. Manchmal bekommt man den gutgemeinten Rat: „Ja, ärgere dich doch einfach nicht.“ Leichter gesagt als getan.

Ein Modell, das ich in einer Schulung kennengelernt habe, möchte ich hier gerne kurz vorstellen. Leider kenne ich die ursprüngliche Quelle nicht.

Es handelt sich um das BIER-Modell. Diese Abkürzung setzt sich aus vier Schritten zusammen. Diese laufen in der Regel sehr schnell und unbewusst ab:

BIER-Modell der Personalentwicklung

Am Anfang steht immer eine Beobachtung – eine objektive Beobachtung. Was ist das Verhalten, das ich tatsächlich wahrnehme? Dabei kann ich natürlich alle meine Sinne nutzen, also Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen.

Nachdem ich diese Beobachtung aufgenommen habe, interpretiere und bewerte ich sie. Ich frage mich, was das zu bedeuten hat.

Das führt anschließend bei mir zu einer Emotion, zu einem Gefühl. Ich bin wütend, enttäuscht, belustigt und so weiter.

Und schließlich reagiere ich auf irgendeine Weise aufgrund meiner Bewertung und meiner Emotion.

Ein Beispiel: Ich fahre mit dem Fahrrad im Straßenverkehr. Ein Auto nimmt mir die Vorfahrt. Meine objektive Beobachtung ist also: Ich hätte nach der Straßenverkehrsordnung Vorrang gehabt. Der Fahrer des blauen Autos ist aber gefahren, ich musste bremsen, damit es nicht zum Zusammenstoß kommt. Nun kann ich dieses Verhalten wie folgt interpretieren: Diesem Autofahrer ist mein Wohlergehen komplett egal, er ist rücksichtslos. Das führt zu einer Emotion: Ich bin wütend. Und als Reaktion schimpfe ich ihm vielleicht hinterher und ärgere mich.

Nun kann ich diesen Fall aber auch anders erleben. Die objektive Beobachtung bleibt gleich: Das blaue Auto nimmt mir die Vorfahrt. Meine persönliche Interpretation könnte jetzt aber auch lauten: Der Fahrer hat vielleicht seine schwangere Frau oder sein krankes Kind dabei und möchte schnell zum Arzt. Dabei hat er mich nun mal übersehen. Das kann zu einer Emotion wie Mitleid führen. Und dies wiederum führt zu meiner Reaktion, dass ich bremse, Platz mache und anschließend entspannt meine Reise fortsetze.

Beide Fälle gehen auf dasselbe Ereignis und die selbe Beobachtung und Wahrnehmung zurück. Meine Reaktion und meine anschließende Gefühlsverfassung sind jedoch komplett unterschiedlich. Wichtig ist dabei: Der wesentliche Unterschied ist in meinem Kopf passiert.

Das bedeutet letztlich, dass ich selbst elementaren Einfluss darauf habe, wann ich mich über etwas ärgere und wann nicht. Und natürlich wird es immer wieder Situationen geben, in denen ich mich ärgere und ich unzufrieden bin. Aber ich habe alle Mittel an der Hand bzw. im Kopf, um aus dieser Unzufriedenheit schnell wieder herauszufinden.


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