Führen aus der Mitte

Werden Sie ECHT in Arbeit und Leben – finden Sie Erfüllung und Erfolg

Barbara Fromm und Michael Fromm

Inhalt

„Führen aus der Mitte“ von Barbara und Michael Fromm befasst sich mit einem Führungsansatz, der nicht typisch rein zahlen- und ergebnisgetrieben sein soll. Dafür stellen die Autoren zunächst dar, dass wir uns derzeit (das Buch ist von 2006) in einer Führungskrise befinden und dass dementsprechend Handlungsbedarf besteht.

Anschließend wird das Ziel des Buches erläutert: das Erzielen innerer Stabilität in der Führung.

Zum besseren Verständnis des später vorgestellten Vorgehens werden im dritten Kapitel einige Begriffe erläutert. Insbesondere werden „Original“ und „Fälschung“ vorgestellt. Die These dahinter lautet: Die meiste Zeit agieren wir nicht aus unserem Original heraus, also aus unserem inneren Wesenskern, das vor allem wertorientiert ausgerichtet ist, sondern aus einer Fälschung heraus. Diese Fälschung zeigt sich in vielen Automatismen unseres Denkens und Handelns. Mehr denkt es uns, als dass wir aus uns heraus – aus unserer Mitte – aktiv denken und gestalten.

Um dieses Original erkennen zu können, soll die Führungskraft zunächst voll in die Eigenverantwortung gehen. Es ist also die Verantwortung für das eigene Handeln und auch vor allem für das eigene Denken und Fühlen zu übernehmen. Das führt zu den drei folgenden Leitsätzen, die alle jeweils ausführlich hergeleitet und vorgestellt werden:

  • Du hast immer die Wahl
  • Du kriegst, was du denkst
  • Es gibt keine Zufälle

Hat die Führungskraft diese Leitsätze verinnerlicht, kann sie das im fünften Kapitel vorgestellte Konzept auf- und übernehmen. Dort wird das „magische Dreieck“ vorgestellt, das sich aus den drei Eckpunkten „aufmerksam sein“, „nicht bewerten“ und „loslassen“ zusammensetzt. Dabei geht es den Autoren vor allem darum, dass man nur im Jetzt handeln kann. Planungen für die Zukunft sind stets unsicher, die Vergangenheit kann nicht mehr beeinflusst werden.

Das Buch schließt mit dem Appell, sich auf die Suche nach seinem inneren Wesenskern zu machen, seine Spiritualität in der Führung zu finden (ein Begriff, der nur in Einleitung und Abschluss verwendet wird) und in Unternehmen, Gesellschaft und Familien einzubringen.

Impulse

Viele der für mich einleuchtenden Thesen dieses Buches, kannte ich bereits aus anderen Büchern. Daher sind die Impulse, die ich hier mitgenommen habe, recht begrenzt. Neben den folgenden Impulsen ist mir vor allem die Geschichte des Volkes mit den Krücken in Erinnerung geblieben (ab Seite 79):

  • Handeln kannst du nur im Jetzt. (Vergangenes ist nicht mehr änderbar, was künftig kommt, ist ungewiss.)
  • Stelle gewohnte Dinge in Frage. „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist ein äußerst schwaches Argument.

Bewertung und Kommentar

Disclaimer: Wie immer beschreibe ich nur meine ganz persönliche eigene Meinung.

Puh, also sagen wir mal: Dieses Buch ist nicht für mich gemacht. Da ich mich in der Vergangenheit mit Reinhard Sprenger (u.a. „Die Entscheidung liegt bei Dir!“) und mit Jens Corssen (und seinem Konzept des Selbstentwicklers) beschäftig habe, war zunächst nicht viel für mich Neues dabei. Die Autoren erarbeiten ein ähnliches Konzept der Eigenverantwortung für das eigene Leben, Handeln und Erleben. (Mir persönlich fällt gerade in Bezug auf die bewusste Wahrnehmung und deren Trennung von Wahrnehmung und auf der einen Seite sowie Bewertungen und Emotionen auf der anderen Seite der Ansatz über das BIER-Modell etwas leichter.)

Dem allen liegt eine mystische oder transzendente Basis zu Grunde. Die meisten Menschen haben eine verdeckte Mitte, Seele oder spirituelle Kraft, die die Autoren als Original bezeichnen und dir wir in der Regel durch automatisierte Denkmuster gewissermaßen überdecken oder überschreiben. Das kann ich mir als ein Wertesystem übersetzen und damit arbeiten.

Sie lockern den theoretischen Text mit Dialogen aus ihrer Beratungspraxis auf. Diese wirken auf mich gestellt und nicht besonders authentisch. (Interessanterweise hat meist der Coach in diesen Beispielen deutlich mehr Redeanteil als die gecoachte Führungskraft.) Schwierig fand ich eine praktische Empfehlung für Führungskräfte, im Rahmen der Eigenverantwortung anders zu formulieren. Statt „Ich muss jetzt ins nächste Meeting“ solle man sagen: „Ich wähle, jetzt ins nächste Meeting zu gehen.“ Den Punkt dahinter verstehe ich sehr wohl. Auch ich achte recht aufmerksam auf meine Wortwahl und versuche „ich muss“ und „ich kann nicht“ zu vermeiden. Wenn ich mir aber vorstelle, meinen Kollegen den oben genannten Satz mit „ich wähle“ zu sagen, werden die mich schlicht nicht mehr ernst nehmen. Ich neige eher zu Formulierungen wie „ich gehe jetzt ins nächste Meeting“. Die Einstellung dahinter ist die gleiche, die Formulierung finde ich nicht ganz so weltfremd.

Auf der Eigenverantwortung aufbauend („Ich habe immer die Wahl“) schließen die Autoren, „Du kriegst, was Du denkst“. Das stellt gewissermaßen die Professionalisierung der selbsterfüllenden Prophezeiung dar. Schließlich folgern sie, dass es keine Zufälle gibt. Vielmehr werde alles, was uns zufällig erscheint, durch die „kosmische Energie“ auf Basis meiner Gedanken (wahrscheinlich gemeint ist zugrundeliegende Einstellung) bereitgestellt. Dazu geben sie ein paar Beispiele, in denen das funktioniert hat. Diese sollen diesen Gedanken bestätigen, zeigen meiner Meinung nach aber eher, dass man mitunter aufmerksam auf bestimmte Themenbereiche reagiert. Interessanterweise nutzen sie später ein solches Beispiel in anderen Kontext noch einmal selbst: Wenn man sich mit dem Gedanken trägt, ein neues Auto zu kaufen, so achtet man deutlich mehr auf Autos und sieht nun plötzlich die favorisierte Marke viel häufiger als bisher. Das ist für mich aber nicht der Gegenbeweis gegen Zufälle, sondern eher eine Bestätigung des bekannten psychologischen Effektes der selektiven Wahrnehmung (externer Link).

Womit ich mich besonders schwer tue, sind Formulierungen wie „es sind uralte Wahrheiten“. Meiner Erfahrung nach sind Leute, die die Wahrheit suchen, deutlich offener und toleranter als Leute, die die Wahrheit „gefunden“ haben. (Dabei ist mir bewusst, dass die Autoren Erfahrungen nicht als Argument gelten lassen, weil diese in der Vergangenheit liegen und damit nicht zwingend Bedeutung für die Zukunft haben. Handlungen können nur im Jetzt stattfinden. Das ist ebenfalls ein Konzept, dem ich in der Absolutheit nicht folgen kann, da meine Erfahrungen mich zu bestimmten Handlungen im Jetzt überhaupt erst befähigen. Ich kann sie also schwerlich komplett vernachlässigen.)

Hin und wieder stellen die Autoren Behauptungen in den Raum, die sehr gut eine wissenschaftliche Quelle vertragen könnten. Beispielsweise wäre ich gespannt auf eine wissenschaftlich fundierte Diskussion über die Behauptung, dass man Gefühle nicht messen kann.

Darüber hinaus habe ich meine Herausforderungen mit dem Schreibstil. Ich glaube, die Autoren haben sich viel Mühe gegeben, verständlich zu schreiben. Das gelingt ihnen meiner Meinung nach nicht immer. Mal werden Trivialitäten über Seiten hinweg erläutert, während manche abstrakte Behauptungen in Schachtelsätzen kurz abgehandelt werden. Dass es immer wieder Rechtschreibungs- und Interpunktionsfehler gibt, machte mir die Lektüre nicht einfacher.

Es werden relativ häufig eher „spirituelle“ oder „esoterische“ Formulierungen gewählt. Ich habe meine Zweifel, dass damit die gesuchte Zielgruppe – vornehmlich zahlen- und ergebnisorientierte Manager und Führungskräfte – einen leichten Zugang zur Materie bekommt. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Köder dem Fisch nicht schmeckt.

Tatsächlich muss ich sagen, dass ich das Buch letztlich nur zu Ende gelesen habe, um diese Beurteilung nicht unfairer Weise auf Basis einer unvollständigen Lektüre vorzunehmen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass einige hilfreiche Ansätze enthalten sind – die ich allerdings vorher bereits kannte. Der Ansatz, mit der eigenen Aufmerksamkeit voll im Hier und Jetzt zu sein und dabei sowohl sich selbst als auch die anderen als auch das Thema im Blick zu behalten (vgl. auch die Themenzentrierte Interaktion von Ruth Cohn), kann ich gut teilen. Genauso schätze ich das Konzept der Eigenverantwortlichkeit (vgl. u.a. Reinhard Sprenger und Jens Corssen). Eine stete Orientierung an den eigenen Werten sollte meiner Meinung nach sowieso selbstverständlich sein. Mit den eher mystischen Ansätzen und der kosmischen Energie werde ich persönlich nicht warm.

Eckdaten

TitelFühren aus der Mitte
AutorenBarbara Fromm, Michael Fromm
Erscheinungsjahr2006
ISBN978-3-933496-98-0
VerlagJ. Kamphausen Verlag & Distribution GmbH
UmschlagWilfried Klei

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