Richtig leben… und dann tu, was du willst

Jürgen Domian

Inhalt

Ich will nicht GUT leben, ich will RICHTIG leben.

Dieser Satz fasst das Buch ganz gut zusammen. Jürgen Domian betrachtet das heutige Leben von verschiedenen Seiten und sucht nach Richtlinien, nach denen er sein Leben verbessern kann. „Das Leben“ bezieht sich auf die vielen kleinen und großen Entscheidungen, die wir ständig treffen, und auf all die Handlungen, die wir tagtäglich vornehmen.

Er stellt fest, dass es immer mehr Möglichkeiten gibt, z.B. bezogen auf Freizeitgestaltung, auf Konsumgüter oder schlicht auf die Auswahl von verschiedenen Joghurt-Sorten. Diese Vielfalt macht uns das Leben nicht unbedingt einfacher.

Wie findet man nun in dieser zunehmend komplizierten und komplexen Welt den Weg, richtig zu leben? Um diese Frage zu erörtern, geht Domian durch die sieben Todsünden. Bei jeder prüft er zunächst, ob sie nur im christlichen Glauben als Sünde verstanden wird, oder ob diese Einschätzung darüber hinaus als allgemeingültig gelten darf.

Danach prüft er, ab wann man sich einer solchen Sünde schuldig macht. Dabei gewährt er immer wieder Einblicke in seine Vergangenheit und in sein Gefühlsleben. Seine Methoden, jeweils den richtig Weg und den richtigen Umgang zu wählen, findet er im Zen. Auf den nimmt er immer wieder Bezug, und er erläutert, wieso er gerade dessen Ansätze plausibel findet. Dabei wirkt er auf mich nicht missionarisch, aber doch überzeugt.

Die eine allgemeingültige Lösung für ein richtiges Leben gibt er nicht. Statt dessen setzt er in den Dimensionen der sieben Todsünden verschiedene Impulse, wie man sein Leben richtiger gestalten kann – zumindest so, wie er für sich „richtig“ definiert.

Impulse

Letztlich nehme ich für mich mit, dass mir hilft, mich selbst gut zu kennen und mich selbst auch anzunehmen und zu akzeptieren. Aber mich auch an der einen oder anderen Stelle zu zügeln und mich anschließend mit Zufriedenheit dafür zu belohnen.

Ein Impuls, den Domian sicher setzen möchte, ist die Erkenntnis: Erfolgreich ist nicht gleich gut, gut ist nicht gleich richtig. Verstanden, angekommen. Haut mich aber, ehrlich gesagt, noch nicht um.

Was für mich persönlich jedoch ein augenöffnender und somit der absolut herausragende Impuls dieses Buch ist: Wut ist eine zerstörerische Emotion. Entscheidungen, die unter dem Einfluss von Wut getroffen werden, sind in der Regel schlechte Entscheidungen. Also vermeide es, wenn möglich, wütend Entscheidungen zu treffen. Dies kann ich aus meinen bisherigen Erfahrungen nur bestätigen, und ich freue mich, dass diese Erkenntnis hier so herauskristallisiert wurde.

[Eine Anmerkung abseits des Themas: Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage und dem Phänomen von zunehmendem Populismus finde ich diese Erkenntnis relevant. Viele Parteien arbeiten gezielt damit, die Wut der Menschen anzusprechen. Die Wut macht die Dinge so schön einfach. Es gibt wieder gut und böse, richtig und falsch, schwarz und weiß. So ist die Welt ja aber nicht wirklich. Sie wird immer komplizierter, auch wenn uns das nicht gefällt. Daher wünsche mir in dieser Zeit Politiker, die schlaue Entscheidungen mit kühlem Kopf treffen. Und nicht emotional und schon gar nicht unter dem Einfluss von Wut.]

Bewertung und Kommentar

Nach dem „Interview mit dem Tod“ ist „Richtig leben…“ das zweite Buch von Jürgen Domian, das mir in die Hände fällt. Das Interview hat mir sehr gut gefallen. Dem entsprechend hoch waren meine Erwartungen für „Richtig leben…“.

Vor dem Hintergrund muss ich gestehen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Zwar ist das Buch gut lesbar, es gibt keine unnötig komplizierten Formulierungen oder überflüssige Fachbegriffe. Domian lockert es auch durch einen inneren Dialog auf, in dem er auch eine andere Seite seiner selbst sprechen lässt.

Das erscheint mir auch nötig. Die ganze Grundstimmung des Buches wirkt auf mich ein wenig zu „heilig“ – kein besonders elegantes Wort in dem Zusammenhang, es trifft es für mich aber am besten. Die andere Stimme, die er zu Wort kommen lässt, entschärft diese Grundstimmung ein bisschen, aber eben nur ein bisschen.

Einzelne Aspekte gefallen mir durchaus. Ich glaube sehr wohl, dass die Welt ein friedlicherer Ort wäre, wenn sich alle Menschen an die von ihm getroffenen Erkenntnisse halten würde. Wenn jeder erst einmal bei sich selbst suchen würde und erst einmal mit sich selbst in Reine kommen würde.

Er betont auch immer wieder, dass er nur seinen Weg vorstellt. Für andere Menschen mögen andere Erkenntnisse und Wege sinnvoll sein. Und ich glaube, dass Jürgen Domian sicher kein übliches Leben führt. Nur wenige Menschen können wohl sagen, dass ihr Alltag ähnlich aussieht. Das macht die Übertragbarkeit natürlich schwierig.

Insofern nehme ich das Buch als einen Blick in die Seele und in die Person Jürgen Domian, was sicher spannend ist. Und ich behalte das Grundgefühl, dass man immer wieder mal tief in sich hineinhorchen sollte – um sich selbst besser kennen zu lernen, sich selbst besser zu erfühlen und um somit bessere Entscheidungen zu treffen. Es ist aber kein Buch, zu dem es mich auf absehbare Zeit noch einmal hinzieht.

Eckdaten

TitelRichtig leben... und dann tu, was du willst
Autor(en)Jürgen Domian
Erscheinungsjahr2014
ISBN978-3837128413
VerlagGütersloher Verlagshaus, Gütersloh
UmschlagAnnika Fußwinkel, Eitorf

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